Interviewmethodik und
Quellenvergleiche
Die deutschen Quellen
Den Forschenden stehen hauptsächlich zwei Arten von deutschen Quellen zur Verfügung. Zum einen die Einsatzgruppenberichte. Jedes Kommando verfasste einen Bericht über seine Aktivitäten, die Erschießung von Gegnern sowie über die Stimmung in der Bevölkerung, den Zustand der Landwirtschaft und Industrie, die politischen Überzeugungen, den Lebensstandard... Präzise Dokumente, die es uns ermöglichen, die Zahl der Opfer in den einzelnen Dörfern einzuschätzen und einen Einblick in die interne Organisation der Einsatzgruppen zu erhalten.
Die zweite Art von Quellen stellen die deutschen Prozesse dar, die nach dem Krieg gegen die NS-Verbrecher geführt wurden. Die hunderttausenden von Seiten, die zur Vorbereitung dieser Prozesse verfasst wurden, befinden sich im Bundesarchiv in Ludwigsburg, Deutschland. Diese Dokumente bestehen aus Aussagen von Einsatzgruppenmitgliedern, von Polizeibataillonen, von der Waffen-SS, von deutschen Zivilisten, die in den besetzten Gebieten beschäftigt waren (Unternehmer, Facharbeiter...), von Volksdeutschen, jüdischen Überlebenden und lokalen Zeugen. Diese wertvollen Dokumente enthalten detaillierte Informationen über Erschießungen, das Leben im Ghetto und sogar über die Befehlskette unter den deutschen Beamten. Diese Archive sind von wesentlicher Bedeutung, da sie Lücken füllen, die zum großen Teil darauf zurückzuführen sind, dass die Nazis ihre eigenen Dokumente zum Kriegsende vernichteten.
Die sowjetischen Quellen
Gleichzeitig mit der Befreiung der ersten von den Nazis besetzten sowjetischen Gebiete wurde eine sowjetische Außerordentliche Staatskommission gebildet, um die von den Nazis und ihren Kollaborateuren begangenen Verbrechen und die verursachten Schäden zu untersuchen. In einem lokalen Rahmen befragte die Kommission Augenzeugen der Massaker und dokumentierte alle Massengräber mit medizinischem bzw. juristischem Sachverständnis. Außerdem erstellte sie eine Liste der Opfer, die allerdings häufig unvollständig war, da die vorgefundenen Leichen nicht identifiziert werden konnten. Diese für die Erforschung des Holocaust durch Kugeln unverzichtbaren Archive sind seit dem Zerfall der Sowjetunion wieder für westliche Historiker zugänglich. Ursprünglich aufgrund ihrer sowjetischen Formulierungen kritisiert, wird die Arbeit der Kommission heute in der westlichen Geschichtsschreibung weitgehend verwendet.
Eine weitere wichtige Quelle bilden die KGB-Prozesse zur Verfolgung der Nazis und ihrer Kollaborateure. Der erste Prozess fand 1943 in Krasnodar statt. Die Aussagen und Akten dieser Prozesse stellen einen beträchtlichen Teil des Archivs dar. Diese Dokumente ermöglichen einen präzisen Einblick in den Völkermord in den einzelnen Dörfern sowie in die Organisation der örtlichen Polizei und ihre zentrale Rolle als Vermittler zwischen den deutschen Besatzern und den Dorfbewohnern.
DIE 5 SCHRITTE DES VERBRECHENS:
DAS SAMMELN, DER WEG, DAS ENTKLEIDEN, DIE ERSCHIESSUNG, DIE PLÜNDERUNG
Die Nazis setzten verschiedene Strategien ein, um die ansässigen Juden in den besetzten sowjetischen Gebieten zu versammeln, bevor sie sie erschossen. Sie hängten Plakate auf, die z. B. die Anmeldung zur Arbeit oder die Umsiedlung der Juden in ein Lager oder sogar nach Palästina ankündigten. Die Einrichtung von Ghettos, ob offen oder geschlossen, erleichterte die Identifizierung und die Razzien. In einigen Fällen umstellten deutsche und örtliche Einheiten im Morgengrauen ein Dorf, gingen von Tür zu Tür und verhafteten die Juden, um sie dann direkt zum Erschießungsort zu bringen. Als Sammelplätze wurden verschiedene Orte genutzt: der Marktplatz, Schulgebäude, Ställe und andere Plätze, an denen die lokale Bevölkerung Zeuge der Verhaftung ihrer jüdischen Nachbarn werden konnte.
Die Kolonne von Juden, die zur Erschießung geführt wurden, bildete einen wiederkehrenden Bestandteil des Genozids in den besetzten sowjetischen Gebieten. Mit Lastwagen, mit Karren, oft auch zu Fuß, mussten die Opfer manchmal kilometerweit durch Dörfer und Landschaften laufen, in der Kälte oder Hitze, nach Wochen oder Monaten des Leides, nur um zum Ort ihrer Ermordung zu gelangen. Bei diesem Marsch hatte die Vernichtung bereits begonnen. Die Schwachen, die dem von den Wächtern auferlegten Rhythmus nicht folgen konnten, wurden zu Tode geprügelt oder erschossen. In den Kolonnen befanden sich nicht nur Opfer und Täter, sondern auch andere Einheimische, die zum Fahren der Karren zum Erschießungsort abkommandiert und gezwungen wurden, die Habseligkeiten der Juden nach der Erschießung zurückzutragen. Oft war den Opfern noch nicht bewusst, dass sie in den Tod geführt wurden. Sie wurden erst nach einer Wegbiegung darauf aufmerksam, wo sie auf die bereits ausgehobenen Gräben trafen.
Wenn die Opfer vor Ort ankamen, waren die Gräben, in denen sie erschossen werden sollten, bereits von anderen Juden oder zwangsrekrutierten Dorfbewohnern ausgehoben worden. In einigen Fällen mussten sie sie selbst ausheben. Zwischen Schlägen und Befehlen wurden Männer, Frauen, Kinder und ältere Menschen gezwungen, sich vollständig zu entkleiden, auch im Winter. Sie mussten ihre Habseligkeiten auf dem Boden oder in den Karren lassen und wurden anschließend nach Wertgegenständen durchsucht.
Nachdem sie sich entkleidet hatten, wurden die Opfer gezwungen, sich am Rand des Grabens oder im Graben aufzustellen. Die Einsatzgruppen oder Angehörige anderer NS-Einheiten schossen den Opfern in den Rücken, in den Nacken oder in den Kopf. Oft wurden Kleinkinder lebendig in den Graben geworfen oder in den Armen ihrer Mütter erschossen. Eine Gruppe nach der anderen fiel in den Graben, während die Täter auf sie schossen. Als die abkommandierten Dorfbewohner die Gräben wieder zuschütteten, stellten sie fest, dass viele Opfer noch am Leben waren.
Sobald die Menschen erschossen und die Gräben zugeschüttet waren, durchwühlten die Täter und Polizisten die Habseligkeiten der Opfer auf der Suche nach Wertgegenständen. Die Habseligkeiten wurden dann auf Lastwagen oder Karren verladen, manchmal von den Tätern selbst, häufiger jedoch von den Dorfbewohnern. Anschließend wurden sie in Gebäuden gelagert und anschließend nach Deutschland gebracht oder von der deutschen bzw. der örtlichen Verwaltung auf Auktionen versteigert. Die Wohnungen der Juden und das Ghetto wurden von den Deutschen, der Polizei und Teilen der lokalen Bevölkerung durchsucht und gelegentlich bis auf das letzte Stück geplündert.
Das Wesen der
öffentliche Verbrechen
Die Vernichtung der Juden in den Tötungslagern erfolgte im Verborgenen. Die Nazis versuchten mit allen Mitteln, jegliche Beweise des Genozids zu vernichten. Eine Besonderheit des Holocaust durch Kugeln im Osten besteht darin, dass eine große Anzahl von Foto- und Videobeweisen von den Erschießungen besteht. Die Erschießungen waren äußerst unterschiedlicher Natur: Sie erfolgten sowohl tagsüber als auch nachts, im Sommer und im Winter, öffentlich oder im Verborgenen. Die letzten Zeugen des Völkermords sind noch am Leben und erinnern sich an die außergewöhnliche Grausamkeit. Die Tötungseinheiten waren sich der Anwesenheit der lokalen Bevölkerung während der Erschießungen oft bewusst, was für sie jedoch keine Rolle spielte. Mitunter wurden die Menschen sogar gezwungen, bei der Hinrichtung ihrer jüdischen Nachbarn anwesend zu sein.
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